Gestrichen, aber nicht vergessen: Manuels Gedanken zur Männlichkeit
- K. M. Singer
- Jul 31
- 2 min read
Als ich das Projekt „Belle Nuit“ gestartet habe, waren mir einige Sachen vorweg klar.
Ich wollte einen humorvollen Roman über die beiden Protagonisten schreiben. Ehrlich, und nahe an der Realität, damit Leser:innen, die diese Fantasie mit Clara und Manuel teilen, sie aber – was welchen Gründen auch immer – nicht in die Realität umsetzen wollen oder werden, einen Einblick in die Welt hinter diese Türen erhalten.
Ich wollte keinesfalls einen klassischen Erotikroman schreiben und den Fokus weg von der Ausformulierung der sexuellen Handlungen führen, sondern das schildern, was in den Köpfen der Protagonisten passieren kann.
Mir war von Anfang an klar, mit welchen Worten der Roman enden würde.
Diese Parameter waren in meiner Gedankenwelt von Anfang an vorgegeben. Der Rest, so dachte ich, würde sich beim Schreiben entwickeln und ergeben.Das war dann auch tatsächlich so. Einmal in Fahrt gekommen, ergab sich der Roman teilweise wie von selbst. Und dann … stand ich gedanklich vor dem Abend mit Irene und August. Ein Moment, der die Leser:innen aus der lockeren und humorvollen Unterhaltung werfen würde, die der Roman bis dahin zu sein schien. Aber: Ich wollte das Thema nicht auslassen. Auch in dieser Szene gibt es Schattenseiten. Diese auszulassen erschien mir als falsch, denn ich wollte einen Roman schreiben, der ehrlich mit der Leserschaft umgeht.
Kapitel 15 – Der Betrug des Körpers – musste für mich daher Teil des Romans werden. Eine schlimme Erfahrung, aber auch eine, die später in einer Leserunde sehr kontrovers behandelt wurde. Mitunter in einer Täter-Opfer-Umkehr.
„Clara hätte anders reagieren müssen.“
„Clara ist doch eine starke und intelligente Frau. Chirurgin! Warum sagte sie nichts?“
Ja, Clara ist eine starke und intelligente Frau, ebenso wie die Person, die der Romanfigur Clara im realen Leben zu Grund liegt. Und trotzdem verfiel sie in diesen Modus des trotz Widerwillens reagierenden Körpers und der Stummheit. Wie auch Manuel nicht gut genug reagiert hat, und nicht auf eine leise innere Stimme gehört hat.
Kapitel 15 durfte daher in der Erzählung nicht fehlen. Zwei weiter Kapitel haben es jedoch nicht ins Buch geschafft. Es sind Kapitel, in denen Manuel sich – anlassbezogen durch die Ereignisse mit Irene und August – Gedanken über Männlichkeit macht. Was bedeutet sie für ihn, wie wird sie in der Gesellschaft gesehen?
Manuel hat, geprägt durch Zufälle in seiner eigenen Vergangenheit, klassische Rollenbilder nie ganz mitgetragen – auch das gehört zu seiner Geschichte und hat unbewusst vielleicht auch in ihm die Notwendigkeit des Festhaltens an klassischen Beziehungsmodellen relativiert. Genau diese Auseinandersetzung mit der Rolle des Mannes in der Gesellschaft wollte ich mit Manuels retrospektiven Kapiteln führen. Doch für das Buch waren diese beiden Kapitel nicht passend und ein zu starker Bruch zur restlichen Handlung. „Belle Nuit" sollte uns auf Claras und Manuels Reise begleiten, und keine Gesellschaftskritik sein.
Aus diesem Grund habe ich die beiden Kapitel, obwohl für mich als Themenbereich eigentlich wichtig, aus dem Buch verbannt. Wer sich für diese Seite von Manuel interessiert, kann die beiden Kapitel unten herunterladen.
Ich freue mich über jeden Download, denn das Thema ist wichtig. Daher zögert nicht, und wenn ihr wollt schreibt mir gerne ein Feedback per Mail. Ich verspreche: Ich werde jede (konstruktive) Zuschrift beantworten.

Comments